State-of-Art‑Übersicht, Auswirkungen menschlicher Maßnahmen und aktualisierte Sedimentbilanz
Menschliche Eingriffe wie Flussbegradigungen, Baggerungen, der Bau von Querbauwerken und eine langjährige Sedimententnahme haben das Sedimentregime des Rheins stark verändert. Diese Maßnahmen haben die Transportkapazität erhöht und gleichzeitig den Sedimenteintrag verringert. Die Konsequenzen sind eine anhaltende Sohlerosion, Freilegung von Verbauungen, ökologische Beeinträchtigungen sowie Herausforderungen für die Schifffahrt und den Grundwasserspiegel.
Um diese Probleme anzugehen und die Entwicklung des zukünftigen Sedimentmanagementplans der IKSR (ab 2027) zu unterstützen, startet die KHR das Projekt RhineSed2028. Ziel ist es, grundlegende Kenntnisse über die Sedimentdynamik im Rheineinzugsgebiet durch drei miteinander verbundene Schritte zu aktualisieren:
- Literatur- und Datenrecherche mit einer Aktualisierung der gegenwärtigen Situation
- Bewertung anthropogener Aktivitäten: Auswirkungen lokaler Maßnahmen
- Aktualisierung der Sedimentbilanz des Rheins für den Zeitraum 2010–2025
Im ersten Schritt, der Stand‑der‑Technik‑Übersicht, werden aktuelle Literatur, Projekte, Aktivitäten und wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem gesamten Rheineinzugsgebiet zusammengeführt. Dieser Überblick umfasst Sedimenttransport, -zusammensetzung, Bathymetrie, Zugaben (Nourishments) und Verbauungen. Er bildet die Grundlage für alle weiteren Arbeiten. Zudem beinhaltet dieser Schritt eine Wirkungsanalyse, eine Reflexion über aktuelle wissenschaftliche Diskurse und die Anwendung eines systemischen Ansatzes zur Beschreibung der Sedimentprozesse im gesamten Einzugsgebiet. Das Ziel ist es, Wissenslücken zu identifizieren und ein gemeinsames, grenzüberschreitendes Verständnis der aktuellen Sedimentsituation aller Rheinanrainerstaaten zu entwickeln.
Im zweiten Schritt bewertet das Projekt die Auswirkungen anthropogener Maßnahmen auf die Morphologie des Rheinhauptstroms. Vorhandene Fallstudien und Monitoringdaten werden analysiert, um zu verstehen, wie Eingriffe wie Sedimentzugaben, Baggerungen, Umlagerungen, Wiederanbindung von Nebenarmen und andere wasserbauliche Maßnahmen die Sedimentkontinuität und die Sohlentwicklung beeinflussen. Dieser Schritt wird gemeinsam von der BfG (Deutschland) und Rijkswaterstaat (Niederlande) durchgeführt.
Im dritten Schritt wird die Sedimentbilanz des Rheins aktualisiert, indem Sedimentflüsse und morphologische Änderungen zwischen 2010 und 2025 quantifiziert werden. Diese aktualisierte Bilanz baut direkt auf früheren KHR‑Arbeiten auf und hilft dabei, Erosions‑ und Ablagerungszonen sowie übergeordnete Trends zu identifizieren.
Eine abschließende Synthese gegen Ende des Jahres 2027 integriert die Ergebnisse aller drei Schritte und liefert ein kohärentes Verständnis der heutigen Sedimentprozesse und ihrer Treiber. Diese Synthese wird ein wichtiges wissenschaftliches Fundament für zukünftige Planungs- und Kooperationsprozesse zum Sedimentmanagement im Rheineinzugsgebiet darstellen.