Wichtigste Themen der vergangenen Sitzung

27/05/2010

Wichtigste Themen der 65. Sitzung der KHR
Alkmaar, Niederlande - den 26. und 27. Mai 2010

Änderungen im Abflussregime des Rheines: Die ausführliche Zusammenfassung des Berichtes (I-22) (Extended Summary) wird noch angepasst und anschließend in deutscher und englischer Sprache auf der KHR-Website publiziert. Im Februar 2010 wurde ein Artikel in der Zeitschrift Hydrologie und Wasserwirtschaft publiziert; es gab sehr positive Reaktionen. Herr Belz hat vor, dieses Artikel als Basis für eine englischsprachige Publikation, zum Beispiel im Journal of Hydrology, zu verwenden.
Es liegt eine überarbeitete Version des Flyers vor. Die Mitglieder sind der Meinung, dass der Text sich noch zu stark auf dem Alpenrhein konzentriert. Der Flyer wird dementsprechend angepasst und anschliessend gedruckt.

RheinBlick2050 (Klimaänderungen): Der Tätigkeitsbericht wurde vom Projektleiter Herr Görgen ausführlich erläutert.
Das Projekt ist mehr oder weniger fertig und ein Entwurf des Abschlussberichtes liegt vor. Es ist wichtig dass es über die Ergebnisse der Studie Konsens gibt mit den anderen Akteuren im Einzugsgebiet. Deshalb findet Mitte Juni ein Treffen mit Klima-Experten der deutschen Bundesländer statt. Der endgültige Entwurf des Schlussberichts soll den KHR-Vertretern Mitte Juli verfügbar gestellt werden. Bis zum 1. August gibt es dann Gelegenheit zur Stellungnahme. Danach wird das Sekretariat den Bericht druckfertig machen und drucken lassen.
Die Ergebnisse des Berichtes und Ergebnisse aus anderen Projekten im Einzugsgebiet werden auf einem Kolloquium am 13. und 14. Oktober in Bonn präsentiert. An dem Kolloquium können max. 200 Personen teilnehmen. Zielgruppe sind Wissenschaftler und Vertreter der operationellen Wasserwirtschaft.
Die KHR hält es für besonders wichtig, dass die Ergebnisse des Rheinblick2050-Projektes in die Arbeiten der IKSR einfließen und eine wissenschaftliche Basis für die zukünftigen Arbeiten liefern. Herr Moser, Vorsitzender der IKSR Expertengruppe Klima, betont, dass Rheinblick2050 separat von der IKSR-Expertengruppe Klima betrachtet werden sollte. In dieser Expertengruppe kombiniert die IKSR die Ergebnisse verschiedener Projekte, wobei RheinBlick2050 ein wichtiges Projekt ist.

HYMOG (Wasserbilanz): Der Sachstand wurde vom Projektleiter, Herrn Belz, präsentiert. Phase 1 des Projekts hat die Erstellung einer konsistenten hydrologischen Datenreihe für den Rhein vom Bodensee bis Lobith zum Ziel. Diese Phase, die mit einem Treffen in Koblenz gestartet wurde, hat eine Laufzeit von 1,5 Jahren. Das Projekt wird vom Ingenieurbüro ProAqua aus Aachen durchgeführt. Für die Begleitung des Projekts ist eine Steuerungsgruppe mit Vertretern aller relevanten deutschen Bundesländer, Rijkswaterstaat, Del-tares und des schweizerischen BAFU gebildet.
Inzwischen ist die endgültige Liste der Messstationen erstellt worden. Auch wurde ein Großteil der zu erfassenden Zeitreihen und W/Q-Beziehungen bereits geliefert. Es fehlen noch ein Teil der schweizerischen und franzosischen Daten sowie die Abflüsse des Pegels Lobith. Metadaten stehen für etwa die Hälfte der Stationen zur Verfugung. Ende Mai wird ProAqua einem Zwischenbericht vorlegen.

Phase 1 des Projektes endet im Dezember 2010. Die zweite Phase ist der Verbesserung der hydrologi-schen und hydraulischen Modelle mit Hilfe der in der ersten Phase gesammelten Daten gewidmet. Diese Phase fängt 2011 an.  

Schnee- und Gletscherbeitrag zu dem Abfluss des Rheins: Nach der vergangenen KHR-Sitzung wurde eine von der BfG initiierte Literatur- und Datenrecherche durchgeführt. Ziel dieser Grundlagenforschung war die Erstellung eines ‚State of the Art Reports' und die Zusammenstellung eines Datensatzes für die Durchführung eines möglichen Projektes. Das Ergebnis dieser Grundlagenforschung war: Es gibt eine große Fülle laufender und abgeschlossener Studien über Schnee- und Eisschmelze. Diese geben teilweise eine Antwort auf die Frage nach dem Abflussanteil von Schnee- und Gletscherschmelze im Rheingebiet, jedoch nicht auf die von der KHR definierte Frage: Was ist der künftige Beitrag von Schnee- und Eisschmelze an den Abfluss des Rheins? 
Es wird vereinbart, eine Arbeitsgruppe zu bilden, wobei die Schweiz und Deutschland zunächst die Initiative ergreifen. Die Arbeitsgruppe setzt sich mit der Forschungsanstalt ‚Laboratoire de Glaciologie et Géophysique de l'Environnement' in Grenoble und mit relevanten Institutionen in Österreich in Verbindung. Die Arbeitsgruppe wird einen Projektplan anfertigen und Auftraggeber (Finanzierung) suchen.

Rhein Alarm Modell: Das KHR-Sekretariat hat sich bei der IKSR erkundigt, wie oft das Rheinalarmmodell in der Praxis eingesetzt wird. Es gibt Daten über Störfälle der Jahre 2006 - 2008. Die Zahl der von den internationalen Warn- und Alarmzentralen gegebenen Warnungen ist beschränkt (0 bis 4 pro Jahr). Die Zahl der informellen Warnungen bei einer Überschreitung bestimmter Kriterien ist 40 bis 50 pro Jahr. Man darf davon ausgehen, dass dabei das Rheinalarmmodell verwendet wird.
Es wurde der IKSR vorgeschlagen, die technische Verwaltung des Modells dem Waterdienst zu übergeben. Die IKSR hat dieses unter der Bedingung, dass es keine finanziellen Konsequenzen für die IKSR hat und dass die KHR ihr Ansprechpartner bleibt, zugestimmt.

Sediment: Die ISI Case Study (KHR-Bericht II-20) wurde gut aufgenommen und es gab verschiedene Nachfragen.
Es wurde festgestellt, dass Sediment ein wichtiges Thema ist, das sich besonders gut für internationale Zusammenarbeit in der ganzen Welt eignet. Sedimentbezogene Probleme gibt es in vielen Flüssen in der Welt und die KHR hat die Möglichkeit, hier fundierte Kenntnisse zur Verfügung zu stellen.
Von der niederländischen Zeitschrift ‚Land en Water' ist eine Anfrage gekommen, einen Artikel über die ISI Case Study Rhine zu liefern. Die Autoren des KHR-Berichtes haben zugesagt, den Artikel zu schreiben.
Die Doktorarbeit von Frau Eva Gertsch (BAFU) wurde erwähnt. Sie hat ein praxisorientiertes Verfahren für die Abschätzung von Sedimentfrachten entwickelt. BfG und CRP GL (Lux) sind an diesem Verfahren sehr interessiert. Es wurde vereinbart, dieses Projekt auf der nächsten Sitzung der KHR präsentieren zu lassen.

Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen: Es wurde diesmal ausführlich über mögliche Formen der Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen diskutiert. Vertreter der KHR erhalten regelmäßig Anfragen zur Zusammenarbeit mit anderen Organisation weltweit. In der Vergangenheit gab es Zusammenarbeit oder Kenntnissaustausch mit Organisationen u.a. in den Einzugsgebieten der Donau, des Nils, des Mekong und des Rio Parana. 
Die KHR-Vertreter sind der Meinung, dass die KHR primär für und im Einzugsgebiet des Rheins arbeiten sollte. Manchmal hat aber eine Zusammenarbeit mit anderen Einzugsgebieten einen Mehrwert für beide Parteien.
Der niederländische Waterdienst konzentriert sich international auf die USA und China konzentriert. Eine Zusammenarbeit im Rahmen der KHR mit diesen Ländern würde vom Waterdienst positiv gesehen. Deltares vertritt die Auffassung, dass eine Zusammenarbeit mit benachbarten Einzugsgebieten (Donau, Maas, Rhône) zu bevorzugen sei. Eine Zusammenarbeit mit weiter entfernten Einzugsgebieten könnte eventuell in Form von gemeinsamen Workshops stattfinden.

Die Schlussfolgerung der Diskussion war, dass die KHR für Zusammenarbeit mit anderen Einzugsgebieten aufgeschlossen ist. Das Thema wird erneut auf der Tagesordnung der nächsten KHR-Sitzung gesetzt. Nicht die Frage wo wir zusammenarbeiten möchten, aber mit welchem Ziel sollte beantwortet werden.

Länge des Rheins: Anlässlich der Diskussionen in der Presse im vergangenen Frühling über die offizielle Länge des Rheins, stand dieses Thema auch bei der KHR auf der Tagesordnung. Die KHR-Vertreter finden, dass die KHR einen offiziellen Standpunkt bezüglich der tatsächlichen und damit offiziellen Länge des Rheins einnehmen sollte. Es wurde vereinbart, dass jedes Land die Flusslänge in seinem Teil des Einzugsgebietes bestimmt. Diese Angaben werden beim Sekretariat gesammelt und das Sekretariat bestimmt dann die Gesamtlänge.
Es wurde vorgeschlagen, dass die KHR das Schild an der Rheinquelle beim Thomasee, auf dem die Länge von 1320 km bis zur Mündung angeschrieben ist, durch ein neues Schild mit der korrigierten Länge ersetzt. Darüber soll später nochmals diskutiert werden.

Die nächste (66.) KHR-Sizung findet am 14. und 15. Oktober 2010 in Bonn, Deutschland statt.